Museumskalender 2023 / Akrobatik der Linie

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Akrobatik der Linie 

Die Werkauswahl des Kunstmuseum Pablo Picasso Münster ist im diesjährigen Kalender unter der thematischen Klammer „Die Akrobatik der Linie“ vereint. Picasso als Namenspatron des Museums hat einmal ausgeführt, es sei eine wundersame Sache, dass man mithilfe einer Linie einen Menschen darstellen könne. Kein Künstler des 20. Jahrhunderts hat ein so umfang- und facettenreiches grafisches Oeuvre hinterlassen wie er. So hebt das Jahr 2023 auch mit einer virtuosen Darstellung von Picassos letzter Ehefrau Jacqueline an, deren markantes Profil er in dichten Schraffurlagen plastisch modelliert. Eine Farblithografie von Marc Chagall schließt sich im Monat Februar an. Das Werk präsentiert einen heiteren Reigen von Gauklerfiguren und Zirkusartisten. Hinter der vordergründig heiteren Fassade dieses Berufsstands sah der Künstler tragische Größe. Chagall sah eine Nähe zwischen den Zirkusakteuren und dem Künstlerstand gegeben, welche er auch im Kalenderblatt für den Monat April motivisch konkretisiert. Der mit Palette und Pinsel bezeichnete Maler schlägt vor der markanten Stadtsilhouette von Paris Pirouetten in der Luft – in seiner Kunst sind die Gesetze der Schwerkraft aufgehoben.

Der spanische Künstler Joan Miró war seinem Heimatland zeitlebens sehr verbunden. Noch als hochbetagter Mann schuf er ein Plakat für die Fußballweltmeisterschaft, die 1982 in Spanien stattfand. Das von ihm entworfene Motiv ist eine Art anthropomorpher Fussball, der über ein Auge und lange Arme verfügt.

Picasso, der sich mit Chagall im münsterischen Museum die Depoträume teilt, war nicht gerade ein Freund des franko-russischen Künstlers, bemerkte aber anerkennend: „Wenn Matisse stirbt, wird Chagall der einzige Maler sein, der noch weiß, was Farbe ist.“ Picassos „Frau mit grünen Haaren“ ist eine bildnerische Hommage auf seine Muse Francoise Gilot. Markante Linienzüge in lithografischer Tusche umspielen die Darstellung seiner Muse wie grafische Tentakel und verleihen der Komposition eine dezidiert flächige, grafische verkürzte Anmutung.

Obgleich er als großer Farbkünstler in die Geschichte eingegangen ist, war Picassos Widersacher Henri Matisse auch ein bedeutender Grafiker, was das Juni-Blatt in Gestalt eines Linolschnitts belegt. Die Ökonomie der zeichnerischen Mittel einerseits, mit denen lakonisch das Gesicht der Frau umrissen ist, steht hier in starkem Gegensatz zu den flächig-ornamentalen Strukturen, die den Hintergrund rhythmisieren. Matisse entdeckte in den 40er Jahren den Linolschnitt für seine künstlerischen Zwecke. Das Führen des Hohleisens, das in den weichen Grund einschneidet, verglich der passionierte Violine-Spieler mit dem melodiösen Führen eines Geigenbogens.

Picassos Landsmann Joan Miró bereichert seit 2020 in Gestalt einer bedeutsamen Dauerleihgabe des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe die Künstler-Wohngemeinschaft des Museums. Sein surreal verspieltes Gestaltpaar hebt sich als Juli-Blatt vor einer rot-weißen Streifentischdecke ab. Der Katalane wendet in diesem Werk ein typisch surrealistisches Verfahren an, nämlich die Überblendung von Wirklichkeitsebenen, die man Kraft der Alltagslogik nicht miteinander verbinden würde.

Detailverliebt und minutiös ist die Bildregie der Radierung Chagalls, die in den frühen 20er Jahren entstand. Sie illustriert neben anderen Grafiken den Schelmenroman „Die toten Seelen“ von Nicolai Gogol. Nach Paris zurückgekehrt, schuf Chagall einen Zyklus von fast 100 Grafiken, die diese amüsante Provinzposse eines groß angelegten Steuerbetrugs illustrieren. Der Protagonist ist der skrupellose Tchichikov, der sich bei den Großgrundbesitzern einschmeichelt, um finstere Geldgeschäfte zu machen. Den Empfang bei einem solchen zeigt das Kalenderblatt für den Monat August. In geschraubt höflicher Attitüde begegnet er hier dem jovialen Herrn auf der Schwelle seines Hauses.

Wie kraftvoll und expressiv Picasso die Kunst der Linie beherrschte, verdeutlicht die für den Monat September ausgewählte Lithografie. In bildfüllender Nahsicht stellt es ein stilisiertes Frauenporträt dar, das dem Typus nach den zeitgleich entstandenen Francoise Gilot-Darstellungen verwandt ist. Die Muse veröffentlichte 1964 ihre Lebenserinnerungen „Life with Picasso“, in denen sie ausführt, dass Picasso keine eigentlichen Modellsitzungen durchführte, sondern für ihre Darstellungen in der Regel nicht ihre körperliche Gegenwart benötigte.

Ganz anders verfuhr Henri Matisse, der nach dem lebenden Modell arbeitete und ohne diese nicht arbeiten konnte. Der Holzschnitt aus dem Jahr 1905 (Monat Oktober) gehört zu den frühesten grafischen Werken des Franzosen. In seiner kräftigen, expressiven Liniensprache wird der Einfluss van Goghs fassbar, dessen Werke er in einer Ausstellung in Paris kurz vor Entstehung des Holzschnitts gesehen hatte.

Chagall hat sich zeitlebens dagegen verwehrt, als Träumer und Fantast klassifiziert zu werden. Man solle ihn nicht den „fliegenden Künstler“ nennen, führte er einmal aus. Ungeachtet dieser Worte scheint der Maler auch auf dem Kalenderblatt für den Monat November zu schweben. In einer Demutsgeste mit der linken Hand grüßt er die Gestalten seiner Bildwelt, wobei er auch in späten Schaffensjahren immer wieder das heimatliche Witebsk motivisch heraufbeschwört.

Joan Miró war ein poetisch inspirierter Maler, der seinen Werken oft fantastische Titel gab, die das assoziative Potenzial seiner Gemälde, Grafiken und Skulpturen heraufbeschwören. Die „Wüstenratte“ für den Monat Dezember ist ein kurioser Hybrid mit großen, ausdrucksstarken Augen und vier tentakelartigen Beinen. Für den Bildgrund wählte der Katalane eine beige, sandfarbene Tonalität, die durchaus das Potenzial hat, die Anmutung von Wüstensand heraufzubeschwören.

Kunstkalender mit Motiven von Picasso, Miró, Matisse und Chagall
Format: 50 x 70 cm 
15 Blatt plus Rückpappe
4-farbiger Druck auf Papier, 260g Freelife Vellum White von Fedrigoni
silberne Wire-O-Bindung mit breitem Aufhänger 


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